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Homosexualität in China

Cui Tao, Xu Minghui 

China hat eine lange Geschichte, die sehr stark vom Konfuzianismus geprägt ist. So ist Homosexualität ein "übles Wort" in China - es ist ein Tabu. Die Chinesen haben fast nie darüber gesprochen. Durch den wirtschaftlichen Fortschritt macht China auch Fortschritte im sozialen Bereich: Die Gesellschaft wird toleranter. So wird auch Homosexualität zu einem mehr und mehr diskutierten Thema.

1994 erschien das Buch "Homoerotik" (Tongxingai) von Zhang Beichuan, heute Professor an der Qingdao-Universität. Es war das erste Buch über dieses Thema, das in China veröffentlicht wurde. 1994 und 1995 haben viele ausländische Medien über die Lage der Homosexuellen in China berichtet. 1998 wurde das bedeutende Buch " Subculture of Homosexuality " von Li Yinhe herausgegeben. Seit 2000 haben mehr Experten die Homosexualität erforscht und wissenschaftliche Abhandlungen geschrieben. Offiziell wurden die starren Gesetze der vergangenen Jahre allmählich aufgeweicht. Seit 1997 ist Analverkehr zwischen Männern nicht mehr strafbar und seit 2001 gilt Homosexualität nicht mehr als Geisteskrankheit. Inzwischen berichten auch die chinesischen Medien über Homosexualität. Am 12. Februar 2004 hat CCTV, das nationale staatliche Fernsehen, ein Programm über Homosexualität ausgestraht. Es war das erste Mal, dass dieses Thema im Fernsehen behandelt wurde.

Es scheint, dass Homosexualität heute in China so langsam akzeptiert wird, die Realität ist aber noch weit entfernt von diesem Ideal. Material zur Homosexualität ist in China selten und ein kursbegleitendes Fachbuch gibt es noch nicht. Man weiß noch nicht viel über die Homosexuellen. Das Eheverbot ist zwar schon gefallen, Homosexualität ist gesellschaftlich jedoch noch immer ein Tabu. Ihre Welt scheint sehr sehr fern von uns zu sein.

Die Studenten und Studentinnen haben eine gute Ausbildung und sind in Zukunft die Stützen des Staates. Wie denken sie über die gleichgeschlechtliche Liebe? Wieviel wissen sie darüber? Deswegen haben wir die Umfrage gemacht. Wir haben 50 Studenten und Studentinnen auf dem Campus begefragt.

Ergebnis und Auswertung

Auf die Frage "Woran denken Sie zuerst, wenn Sie Homosexualität hören?" antworten 70% der Befragten mit negativen Wörtern, z.B. "gegen das Naturgesetz", "schmutzig", "übel", "Ich verstehe das nicht", "komisch", "Diskriminierung" und sogar "Aids". 24% benutzen das Wort "Überraschung".

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Abb. 1: Erste Reaktion auf den Begriff "Homosexualität"

28.4% der Befragten haben von Bekannten über Homosexualität gehört. Die zweite Quelle sind Zeitungen und Zeitschriften mit 18.5%. Dann folgen Internet 16.0%, Fernsehen 14.8%, Bücher 12.3% und Filme 10%

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Abb. 2: Informationsquellen über Homosexualität: a = Fernsehen, b = Bekannte, c = Internet, d = Bücher, e = Filme, f = Zeitungen oder Zeitschrift

Für den Grund der Homosexualität meinen 35.4%, dass angeborene Faktoren gleich wichtig wie die erworbene Faktoren sind. 33.3% halten erworbenen Faktoren für wichtiger und nur 8.3% glauben, dass ausschließlich angeborene Faktoren zur Homosexualität führen. 22.9% haben keine Meinung.

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Abb. 3: Gründe für Homosexualität

Obwohl sehr wenige Leute erklären, dass sie Homosexuelle sind, glauben 54.2% der Befragten, dass es bei ihnen sicher oder wahrscheinlich homosexuelle Neigungen haben. 16.7% sagen "nein" und 29.2% haben keine Meinung.

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Abb. 4: Haben Sie selber zumindest ansatzweise homosexuelle Neigungen?

Auf die Frage "Soll die chinesische Regierung den Homosexuellen erlauben, legal zu heiraten?" sagten 30% der Befragten "Ja, das ist ein individueller Lebensstil und das Gesetz soll es nicht verbieten.”  Weiterhin antworteten 50% der Befragten auch Ja, aber sie glaubten, dass man es später einführen soll, weil es die öffentliche Meinung jetzt noch nicht akzeptieren kann. Nur 16% der Befragten sind dagegen. Sie meinen, dass es gegen das Naturgesetz ist.

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Abb. 5: Sollen gleichgeschlechtliche Ehen legalisiert werden?

84% der Befragten glauben, dass die Allgemeinheit mehr über die Homosexualität wissen soll. 10% davon meinen, dass es ihnen egal ist.

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Abb. 6: Besteht ein Informationsbedarf über Homosexualität?

"Kann die Homosexualität in der Zukunft in China akzeptieren werden?" Auf diese Frage antworteten 44% der Befragten mit dem Wort Ja, und 10% antworteten " Nein ". Die anderen 46% der Befragten haben keine Meinung.

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Abb. 7: Wird Homosexualität in China in der Zukunft allgemein akzeptiert?

Durch die Umfrage haben wir viel gelernt. Bevor wir die Umfrage gemacht haben, haben wir viel über Homosexualität gelesen. Dadurch kannten wir verschiedene Meinungen.

Faszit

Studenten haben allgemein einen guten Bildungsstand. So sind sie offen für neue Ideen. Obwohl die meisten Studenten sich gegenüber Homosexualität nicht ganz wohl fühlen, wenn sie das erste Mal darüber hören, können sie später die Homosexualität und die Homosexuellen verstehen. Man kann nicht selbst entscheiden, homosexuell zu werden oder nicht. Heute seien 2%—4% der Leute auf der ganzen Welt homosexuell, so sagen die Experten. Es ist eine große Menge. Wir müssen Wert auf sie legen. Im Unterricht an der Fudan-Universität in Shanghai im Wahlfach Homosexualität fragte ein Student den Lehrer: "Glauben Sie nicht, dass die Homosexualität gegen das Naturgesetz und die Moral ist?”.Der Lehrer antwortete: "Ich werde darauf antworten, vielleicht werden Sie anschließend böse sein. Wenn Sie in der Zukunft ein Kind haben und es homosexuell ist, was werden Sie dann denken?"  Wenn ein Mann nicht homosexuell ist, soll er sich nur bei Gott bedanken, aber nicht die anderen Leute diskriminiren. Es gibt viele Leute, die noch nicht wissen, ob die Homosexualität in der Zukunft akzeptiert werden kann. So haben die Homosexuellen noch viel zu tun, für ihr Recht zu kämpfen. Die Gesellschaft hat auch viel zu tun, um das Tabu zu beseitigen.

Anmerkungen des Herausgebers (Otto Kölbl)

Diese Untersuchung wurde mir von den Verfassern, die ich bei einem Chinaaufenthalt kennen gelernt habe, zugeschickt. Sie entstand im Rahmen des normalen Unterrichts an einer chinesischen Universität. Ich hatte keinen Einfluss auf die Auswahl des Themas. Die Verfasser sind einverstanden mit der Veröffentlichnung auf dieser Website, baten mich aber, darauf hinzuweisen, dass dies nur eine Hausarbeit sei und keine wissenschaftliche Untersuchung. Sie erhebe also keinen Anspruch darauf, die Einstellung der Chinesen zur Homosexualität umfassend darzustellen; dafür sei die Stichprobe zu klein; ausserdem beschränke sich die Untersuchung ausschliesslich auf Studenten an einer Universität.

Ich persönlich finde diese Untersuchung sehr interessant, und zwar nicht nur in Bezug auf das Thema Homosexualität. Die Verfasser haben in zwei der Fragen die zukünftige Entwicklung der Einstellung zur Homosexualität angesprochen. Dies belegt, dass viele Chinesen ihr Land so sehen, dass es sich in Mitten einer rasanten Entwicklung befindet, was die soziale Realität betrifft. Dies steht in krassem Widerspruch zu der Weise, wie China in den westlichen Medien dargestellt wird: dort wird China dargestellt, als entwickle es sich nur wirtschaftlich, aber nicht sozial.

Auch im Bereich Homosexualität besticht China durch interessante Lösungen. Dass Homosexualität der Gegenstand eines Wahlfaches an der Universität sein könnte, wird in westlichen Ländern wohl nur Staunen und Stirnrunzeln hervorrufen.  Dies ist jedoch in China inzwischen jedoch nichts ungewohntes mehr, und zwar nicht nur für Studenten in Fächern wie Soziologie und Psychologie. Auch wir können etwas von China lernen.

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